Das Ich verreist: Bewegende Theaterreise zum Thema Alzheimer in Eggolsheim
Eggolsheim. Es war ein Nachmittag, der zum Nachdenken, Mitfühlen und Innehalten eingeladen hat: In der Kulturscheune im Rathaus in Eggolsheim wurde am Samstag das Theaterstück „Das Ich verreist“ aufgeführt. Rund 40 Besucherinnen und Besucher ließen sich auf die besondere Theaterreise rund um Alzheimer, Erinnerung und Identität ein.
Ausgangspunkt des Stücks ist der Satz: „Das Ich wird weniger.“ Auf eindringliche Weise erzählt „Das Ich verreist“ davon, was geschieht, wenn Erinnerungen nach und nach verschwinden und sich dadurch auch das vertraute Bild eines Menschen verändert. Die Inszenierung macht die Veränderungen, die eine Alzheimer-Erkrankung mit sich bringen kann, auf ungewöhnliche und berührende Weise erfahrbar. Dabei geht es nicht allein um das Vergessen, sondern auch um die Frage, was einen Menschen ausmacht und was von ihm bleibt, wenn Erinnerungen verloren gehen.
Entstanden ist das Theaterstück vor 14 Jahren anlässlich eines Jubiläums der Alzheimer Gesellschaft Kulmbach. Herr und Frau Baumann vom Theater DAS BAUMANN in Kulmbach entwickelten die Idee und bringen das Stück seither an unterschiedlichen Orten auf die Bühne. Herr Baumann sei die Entwicklung des Stücks damals leicht von der Hand gegangen; auch die Idee dafür zu finden, sei ihm nicht schwergefallen. Dennoch gehe die emotionale Wirkung nicht spurlos an den Künstlern vorbei: Auch nach einer Aufführung brauche es zunächst einen Moment, um die Eindrücke und Gefühle zu verarbeiten.

Wie unmittelbar das Stück das Publikum berührte, zeigte die Reaktion von Susanne Geisler aus Neuses, die gemeinsam mit zwei Freundinnen die Aufführung besuchte. Alle drei waren sich einig: „Keine Vorträge und Berichte über Demenz können diese Emotionen so zu den Besucherinnen und Besuchern transportieren wie dieses Theaterstück. Es hat einen richtig gecatcht, und am Ende musste man erst einmal durchschnaufen.“
Die Aufführung eröffnete damit einen emotionalen Zugang zu einem Thema, das viele Menschen unmittelbar oder im persönlichen Umfeld betrifft. Statt Alzheimer ausschließlich aus medizinischer Perspektive zu betrachten, lud das Theater dazu ein, sich auf die Gedanken- und Gefühlswelt von Menschen mit Demenz einzulassen und die Bedeutung von Erinnerungen, Identität und menschlicher Nähe neu wahrzunehmen.
Viele Fragen und wertvoller Austausch im Anschluss
Nach der Aufführung nutzten zahlreiche Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, mit den Leitungen der Fachstellen für pflegende Angehörige von Caritas und Diakonie ins Gespräch zu kommen. Dabei wurden viele Fragen gestellt, die sowohl Betroffene als auch Angehörige und Menschen aus deren Umfeld beschäftigen. Wie gelingt die Kommunikation mit Menschen mit Demenz? Wie können pflegende Angehörige gestärkt und im Alltag entlastet werden? Und ist Demenz vererbbar? Zu diesen und weiteren Themen konnten die Fachstellenleitungen informieren, Fragen beantworten und hilfreiche Impulse geben.
Andrea Baptistella von der Caritas stellte zudem ein neues Unterstützungsangebot für pflegende Angehörige in Eggolsheim vor: Seit Oktober gibt es die „Atempause“. Sie bietet monatlich pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, sich auszutauschen, Unterstützung zu erfahren und neue Kraft für ihren oft herausfordernden Alltag zu sammeln.

Die Verbindung aus Theatererlebnis und fachlichem Austausch machte den Nachmittag besonders wertvoll. Mit dem Ende der Aufführung war die Reise für viele noch nicht abgeschlossen. Die Besucherinnen und Besucher nahmen zahlreiche Gedanken und Eindrücke mit nach Hause – und vielleicht auch einen neuen Blick darauf, wie wichtig Verständnis, Geduld und menschliche Nähe im Umgang mit Menschen mit Demenz sind.
Zum Abschluss bedankte sich Quartiersmanagerin Lisa Geyer bei Herrn und Frau Baumann vom Theater DAS BAUMANN, den beteiligten Fachstellen sowie allen Besucherinnen und Besuchern für den gelungenen und bewegenden Nachmittag. Ihr Dank galt insbesondere auch denjenigen, die mit ihrem Engagement dazu beitragen, dass Themen wie Demenz und die Unterstützung pflegender Angehöriger Raum und Aufmerksamkeit bekommen.
Fotoquelle: Lisa Geyer
